Sexualisierte Gewalt

Was ist sexualisierte Gewalt?

Unter sexualisierter Gewalt wird "jede Verletzung der sexuellen Intimsphäre bzw. der sexuellen Selbstbestimmung einer Person verstanden." (Quelle: Landesarbeitsgemeinschaft Kinder und Jugendschutz NW e.V. 2013, Hrsg.)
Sexueller Missbrauch kann in verschiedenen Formen auftreten.

Nebensächlich ist, "ob es sich dabei um eine in erster Linie psychische oder eine ausschließlich physische Grenzüberschreitung handelt."
(Quelle: https://www.frauenrechte.de/images/downloads/hgewalt/Sexuelle-Gewalt-in-Deutschland.pdf)

Darunter fällt sowohl sexuelle Belästigung (anzügliche "Anmachen", Blicke und Witze; ungewollte Komplimente, unerwünschte Berührungen und ähnliches) als auch Beschimpfungen und Bedrohungen bis hin zum Erzwingen sexueller Handlungen (aufgedrängte Küsse, Vergewaltigung,…).
Sexualisierte Gewalt wird häufig eingesetzt, um Macht zu demonstrieren, zu demütigen und zu diskriminieren.

Grundsätzlich können alle Personen Opfer sexualisierter Gewalt werden, dennoch sind besonders Frauen und Mädchen davon betroffen. Meistens werden die sexuellen Übergriffe von Bezugspersonen oder Personen aus dem direkten Umfeld ausgeübt.
Diese Angriffe sind oft mit großer Scham und emotionaler Manipulation verbunden, so dass sich die Opfer selbst für den Missbrauch verantwortlich machen.
Das führt dazu, dass nur fünf Prozent der Sexualstraftaten anzeigt werden, obwohl fast jede 7. Frau von sexueller Gewalt betroffen ist.
(Quelle: https://www.frauenrechte.de/images/downloads/hgewalt/Sexuelle-Gewalt-in-Deutschland.pdf)

Sexueller Missbrauch bei Minderjährigen

Laut der Kriminalstatistik des Bundeskriminalamtes wurden im Jahr 2018 rund 15.000 Kinder Opfer sexueller Gewalt. Diese ist dabei als "jede sexuelle Handlung, die an oder vor Mädchen und Jungen gegen deren Willen vorgenommen wird" definiert. (Quelle: www.hilfeportal-missbrauch.de) Grundsätzlich können Kinder keine Zustimmung aufgrund "körperlicher, seelischer, geistiger und sprachlicher Unterlegenheit" geben. Dies betrifft vor allem Kinder unter 14 Jahren.
Hier wird jede sexuelle Handlung dem Kind gegenüber als sexuelle Gewalt gewertet.

Täterinnen und Täter sind meist aus Personen aus dem direkten Umfeld (Eltern, ältere Geschwister, Verwandte, Bekannte aus der Schule, Nachbarschaft, Sportverein).
Viele betroffene Kinder werden bedroht, beschämt oder zweifeln, dass man ihnen glaubt - und verschweigen daher den Missbrauch.

Was sind Anzeichen für sexuellen Missbrauch bei Kindern?

  • Verhaltensänderungen (Ängstlichkeit, Aggressivität)
  •  Rückzug und Isolation
  • Abweichende Veränderungen: zum Beispiel verbesserte oder schlechtere Leistungen in der Schule; sehr gute oder sehr schlechte Hygiene
  • Schlafschwierigkeiten
  • Körperliche Anzeichen können, aber müssen nicht sichtbar sein:
    Verletzungen am Gesäß, Rücken und Intimbereich; selbstverletzendes Verhalten (zum Beispiel Ritzen)
    Quelle: www.neurologen-und-Psychiater-im-netz.org

Soforthilfe bei Vergewaltigung

Viele Frauen und Mädchen fühlen sich oftmals in Folge einer Vergewaltigung nicht in der Lage, Anzeige zu erstatten. Dadurch sind sie nach dem Missbrauch medizinisch unterversorgt.

Wenn Sie Opfer einer Vergewaltigung geworden,
suchen Siebitte möglichst schnell - unabhängig von der Uhrzeit! - fachärztliches Personal auf.
Eine medizinische Untersuchung ist dringend empfohlen - auch ohne sichtbare Verletzungen.
Bitte wechseln Sie auch nicht ihre Kleider und duschen Sie nicht.

Denn auf Wunsch kann bei der Untersuchung der Vorfall dokumentiert und Spuren gesichert werden.

Bei einer Vergewaltigung gibt es keine Anzeigepflicht durch die Ärztin oder der Arzt - die Polizei muss also nicht informiert werden. Entscheiden Sie sich später dazu polizeiliche Anzeige zu erstatten, können die gesicherten Spuren als Beweise vor Gericht gelten.

Eine Vergewaltigung kann schwere psychische Folgen (Angsterkrankungen, Essstörungen oder Schlafprobleme,…) nach sich ziehen.

Allerdings sollten sie sich immer bewusst machen: es ist nicht Ihre Schuld! Sie sind nicht alleine!