Stadt und Kreis informieren über Corona-Neuinfektionen in Viernheim

Baaß mahnt zur Vorsicht: "Das ist ein Weckruf für jeden Einzelnen!"

Das Infektionsgeschehen bezüglich des SARS-CoV-2 nimmt an Dynamik zu. Besonders betroffen ist aktuell Viernheim.

Aus diesem Anlass hatten Bürgermeister Matthias Baaß und Erste Kreisbeigeordnete Diana Stolz kurzfristig für Montag (24. August) zu einer Pressekonferenz im Viernheimer Rathaus eingeladen, um über die aktuelle Situation zu informieren. Als weitere Ansprechpartner nahmen Erster Stadtrat Bastian Kempf als zuständiger Dezernent für das Amt für öffentliche Sicherheit und Ordnung sowie Dr. Helen Schlosser, stellvertretende Leiterin des Team Infektionsschutz beim Kreis Bergstraße, an der Pressekonferenz teil.

"Der Anlass heute ist leider nicht so erfreulich", eröffnet Bürgermeister Matthias Baaß die Runde im Ratssaal des Rathauses, der zu dem Lagebild von Viernheim klare Worte findet: "Die aktuelle Situation sollte von jedem Bürger jeden Alters als Weckruf gesehen werden. In den letzten Wochen haben leider zu viele Menschen vergessen, dass es das Virus immer noch gibt", so Baaß, der deutlich betont, dass es hier um jeden Einzelnen an jedem einzelnen Tag ginge und es im schlimmsten Fall Auswirkungen auf die eigenen Familienangehörigen haben könne.

Fakt ist, dass es in Viernheim in der vergangenen Woche zu 23 Neuinfektionen kam, 11 davon alleine am vergangenen Samstag und Sonntag. Etwa 150 Personen stehen derzeit in Quarantäne. "Wir haben in Viernheim ein lokales Cluster", beschreibt Erste Kreisbeigeordnete Stolz die neuartige Situation in Viernheim im Gegensatz zu den zurückliegenden Infektionen. Gemeint ist damit, dass mehrere Neuinfektionen unmittelbar in Zusammenhang stünden und daher eine entsprechende Aufmerksamkeit erfordern. Die Ermittlungen der Teams des Kreisgesundheitsamtes am vergangenen Sonntag haben ergeben, dass die Fälle einer Geburtstags- und nachträglichen Abifeier, der Fall der Fußballmannschaft sowie zwei Neuinfizierte aus den Jahrgangsstufen 10 und 11 der Albertus-Magnus-Schule (AMS) in engem Zusammenhang stehen.

"Besonders auffällig ist, dass es sich hierbei um junge Menschen im Alter zwischen 16 und 22 Jahren handelt", so Stolz. Ursprung des Clusters seien Reiserückkehrer aus Nicht-Risikogebieten gewesen. Die restlichen Neuinfektionen, die nicht in Zusammenhang mit dem Cluster stehen, seien nicht auf Reiserückkehrer zurückzuführen, gibt die Erste Kreisbeigeordnete gleichzeitig bekannt.

So kam es des Weiteren zu zwei Neuinfektionen bei Schülern einer gemeinsamen Klasse aus der Schillerschule Viernheim, weshalb als Vorsorgemaßnahme und aus ermittlungstechnischen Gründen die Schillerschule gleich am Montag geschlossen wurde. "Es handelt sich hierbei nicht um eine angeordnete Schließung, sondern um eine Empfehlung", betont Stolz. Die Schließung wurde gemeinsam zwischen dem Kreis Bergstraße, dem staatlichen Schulamt und der Schulleitung abgestimmt. "Alle Schüler und Lehrkräfte, die sich derzeit nicht in Quarantäne befinden, können ab Dienstag, den 25.8. unter erhöhten Hygienemaßnahmen wieder in die Schillerschule zurückkehren."

An der AMS dagegen findet für die Jahrgangsstufen 10 und 11 derzeit kein Unterricht statt, dies wurde mit dem Bistum Mainz als Schulträger abgestimmt. Da es aufgrund des Kurssystems zu Vermischungen unter den Klassen kommen könnte, werden die beiden betroffenen Jahrgangsstufen bis 3. September zu Hause beschult.

Um die Infektionskette schnellstmöglich abzuschneiden, ist laut Stolz für den heutigen Dienstag (25.8.) eine große Testung der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen aus Frankfurt in Viernheim organisiert, bei der die derzeit unter Quarantäne stehenden 150 Personen aus dem engsten Kreis der betroffenen Personen getestet werden sollen.

Wie es für Viernheim jetzt nach den zahlreichen Neuinfektionen weitergeht, konnte die Erste Kreisbeigeordnete zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beantworten. "Wir prüfen und bewerten jeden einzelnen Fall und wie diese eventuell zusammenhängen, daran orientieren sich weitere Maßnahmen", so Stolz. Ebenso sei die Entwicklung weiterer Neuinfektionen zu beobachten.

Erster Stadtrat Bastian Kempf versichert, "dass das Ordnungsamt und die Stadtpolizei in den nächsten Wochen ein besonderes Augenmerk auf die Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln legen und verstärkt Geschäfte, Gastronomie sowie öffentliche Plätze und Parkanlagen kontrollieren wird." Seit Beginn der Pandemie führen die städtischen Mitarbeitenden regelmäßig Kontrollen im Stadtgebiet durch. "Bis jetzt wurden 188 Verstöße zur Anzeige gebracht", so Kempf.

Dr. Helen Schlosser macht darauf aufmerksam, wie wichtig es sei, dass die Menschen bei einer Urlaubsrückkehr aus einem Risikogebiet oder bei Symptomen selbst handeln und sich unbedingt 14 Tage in Quarantäne begeben.

"Ein negativer Test am Flughafen direkt nach dem Urlaub ist nicht aussagekräftig genug, da das Ergebnis des Tests nur eine Aussage über diesen Zeitpunkt gibt, der Mensch das Virus aber in sich tragen kann und die Symptome eine Minute später oder gar erst nach ein paar Tagen auftreten können", so Schlosser, die in dieser Tatsache eine große Gefahr sieht. "Viele denken bei einem negativen Testergebnis, dass alles in Ordnung ist und begeben sich wieder in den gewohnten Alltag. Ein negatives Testergebnis verkürzt nicht die Quarantäne", macht Schlosser deutlich.

Bei Symptomen sollte man sich als erstes an den eigenen Hausarzt wenden, der die eigene Krankengeschichte jedes Patienten am besten kennt und gut einschätzen kann, ob es sich um eine Corona-Infektion handeln könnte. Ebenfalls zur Verfügung steht der ärztliche Bereitschaftsdienst unter der Telefonnummer 116 117, der seinen Schwerpunkt seit der Pandemie auf Corona umgestellt hat.

Wie gefährlich das Virus ist, macht die Tatsache deutlich, dass sich auf der besagten Geburtstags-/Abifeier lediglich 13 Personen befanden, davon hatten sich sechs Personen infiziert. Baaß sieht dies als "deutlicher Hinweis und wichtige Botschaft", dass schon eine Zusammenkunft von kleinen Gruppen ausreicht und appelliert an Alle, unbedingt die Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten. Erste Kreisbeigeordnete Stolz schließt sich den Worten des Bürgermeisters an und rät jedem Einzelnen, achtsam zu sein. "Das Virus findet seinen Weg, wenn man es lässt", so Stolz, die ihren Appell vor allem an die Jugend richtet, die nicht automatisch vor einem schweren Verlauf geschützt sei.