Kindertagesstätte Lorscher Straße: Offizielle Schlüsselübergabe an die AWO

Einrichtung nimmt am Mittwoch ihren Betrieb auf

Die Fertigstellung und Eröffnung einer neuen Kindertagesstätte wäre im Normalfall Anlass für eine größere öffentliche Eröffnung, doch dies wäre aufgrund der Pandemie derzeit nicht sinnvoll gewesen. „Die Einrichtung aber völlig still ihren Betrieb aufnehmen zu lassen, erscheint eigenartig“, so Bürgermeister Matthias Baaß am vergangenen Freitag bei seiner Begrüßung zur offiziellen Schlüsselübergabe der neuen Kita in der Lorscher Straße, die im kleinsten Rahmen unter Anwesenheit von Erstem Stadtrat Bastian Kempf, Magistratsmitgliedern sowie dem Stadtverordnetenvorsteher und dem Vorstand der Arbeiterwohlfahrt (AWO) als Träger der Einrichtung stattfand.

Auch wenn noch nicht alle Bauarbeiten - gerade im Außenbereich - abgeschlossen sind, wird die Einrichtung am Mittwoch ihren Betrieb aufnehmen. Ein besonderer Dank von Seiten des Stadtoberhaupts galt der Projektleiterin und Architektin Yvonne Meyer-Blankenburg vom Bauverwaltungs- und Liegenschaftsamt, die den Bau geplant und vom ersten Tag an begleitet hat. Gerade einmal 17 Monate seit Beschluss der Stadtverordnetenversammlung habe es gedauert, bis die Kita fertiggestellt wurde, so Baaß. „Das ist ein relativ kurzer Zeitraum für den Bau einer Kindertagesstätte und eine enorme Leistung.“ Die Einrichtung verfügt über insgesamt 112 Betreuungsplätze (12 Krippen- und 100 Kindergartenplätze), die jetzt schon alle vergeben sind. Die Belegung der fünf Gruppen erfolgt in den nächsten Monaten schrittweise, die ersten 30 Kinder werden bereits am Mittwoch erwartet.

Jutta Schmiddem, 1. Vorsitzende der AWO nahm sichtlich erfreut den Schlüssel von Herrn Baaß entgegen und bedankte sich im Namen aller Akteure bei den politischen Entscheidungsträgern für das entgegengebrachte Vertrauen. Gleichzeitig hob sie die tolle Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung hervor und lobte das Personal rund um die Einrichtung, welches das Konzept für die „Bewegte AWO-Kita Lorscher Straße“ erstellt und in den letzten Monaten viele Überstunden geleistet habe. „Der Standort ist ein Traum: Wir haben den Wald, das Schwimmbad, den Vogelpark und das AWO-Familienzentrum in direkter Nähe, besser geht es gar nicht“, so Schmiddem abschließend. Den pädagogischen Fachkräften unter der Leitung von Katja Gutperle und Agnes Manka wünschte sie viel Erfolg und einen guten Start.

Bau der Kita Lorscher Straße

Die Arbeiten an der neuen Kindertagesstätte „Bewegte AWO-Kita Lorscher Straße“ begannen Anfang Juni dieses Jahres. Da der Neubau in recht kurzer Zeit verwirklicht werden sollte, kam nur eine Bauweise in Frage, die durch vorgefertigte Bauteile eine Realisierung in einem knappen Zeitrahmen ermöglichte. Für die Fertigung der Module im Werk benötigte die ausführende Firma Alho drei Wochen. Nach dem Guss der Bodenplatte konnten ab dem 23. Juli innerhalb von vier Tagen 32 Raum-Module gesetzt werden. Im nächsten Bauabschnitt wurden Innenausbau- und Dachdeckerarbeiten vorgenommen.

Aufgrund der örtlichen Gegebenheiten, wie z. B. den Grundstücksmaßen, wurden die Baupläne nicht in Anlehnung an die Planung der Kita Entdeckerland erstellt. „Die Planung der Kindertagesstätte hat sich an der optimalen Ausrichtung des Grundstücks orientiert,“ berichtet Architektin Yvonne Meyer-Blankenburg.

Die bewegte Kita Lorscher Straße ist nach den Grundzügen der passiven Solararchitektur geplant: Räume mit geringerer Aufenthaltsdauer (Mehrzweckraum, Schlafraum, Technikräume) oder solche, die selbst viel Wärme erzeugen (Küche, Hauswirtschaftsraum, Heizraum) liegen nach Norden. Sie haben kleinere Fensterflächen, um den Energieverlust gering zu halten.

Die Gruppenräume sind nach Süden orientiert, sodass durch großflächige Fensterflächen vor allem im Winter Sonnenenergie genutzt werden kann. Um diese Gruppenräume im Sommer vor zu viel Sonneneinstrahlung zu schützen, werden im Außenbereich Laubbäume gepflanzt. Außenbepflanzung und Dachbegrünung schaffen einen Ausgleich zur bebauten und damit versiegelten Oberfläche. Im Außenbereich wird versickerungsfähiges Pflaster verwendet.

Das Raumprogramm für die „Bewegte AWO-Kita Lorscher Straße“ wurde von einer Gruppe aus Erzieherinnen und Erziehern, Sozialarbeitenden und Mitarbeitenden des Jugendamtes im Vorfeld erarbeitet mit der Zielsetzung, optimale Verhältnisse für die Kinder und die Fachkräfte zu schaffen. Dies hat das Konzept für die Kita dahingehend beeinflusst, dass viel Raum für Bewegung in der Verkehrsfläche entstanden ist und die Gruppenräume ausreichend groß sind, um kurzzeitig eine größere Anzahl von Kindern aufzunehmen. Der größere Flurbereich lässt einen regen Austausch der Kinder zwischen den Gruppen sowie zahlreiche soziale Interaktionen zu. Gleichzeitig ist die Kita aber funktional so ausgelegt, so dass für die Erzieher-/innen und die Mitarbeitenden in der Küche die Wege möglichst kurzgehalten werden.

Fünf Gruppenräume stehen den Kindern und dem Betreuungspersonal zur Verfügung, darunter vier Räume für die Kita-Kinder und einen Raum für die Krippenkinder. Die Kitagruppenräume sind für bis zu 25 Kinder ausgelegt, die Krippe für bis zu 12 Kinder.

Die Gesamtkosten für das Projekt belaufen sich auf rund 4 Millionen Euro. Aus dem Investitionsprogramm des Bundes „zur Schaffung und Sicherung von Betreuungsplätzen bis zum Schuleintritt“ erhielt die Stadt Viernheim 1,25 Millionen Euro Fördermittel.